Warum es die Bibel verfälscht, JHWH stur mit „Herr“ zu übersetzen

Darüber, dass ich es falsch und irreführend finde (milde gesagt), von Gott ständig als „Herrn“ zu reden, und warum es wichtig ist, Gott (auch) weiblich zu denken, schreibe ich ja öfter. Heute erfuhr ich bei Facebook von einem tollen Artikel, den Othmar Keel schon 2007 zu dem Thema geschrieben hat.

Die Praxis, Jahwe konsequent durch «Herr» zu ersetzen, führte zu einer Art Persönlichkeitsveränderung. Eigennamen sind offene Bezeichnungen. «Tanja» oder «Johannes» verraten vorerst nicht viel mehr als das Geschlecht der Trägerin bzw. des Trägers. Französische Namen wie Claude oder Dominique nicht einmal das.

Wenn 6800-mal – so oft kommt «Jahwe» im sogenannten Alten Testament vor – statt von «Johannes» von «der Herr Direktor» die Rede ist, bedeutet das eine ungeheure Verengung. … Die Ersetzung von Jahwe durch «der Herr» hat die offene Persönlichkeit Jahwes auf eine bestimmte enge, männliche Rolle eingeschränkt und seine schillernde, reiche Persönlichkeit verarmen lassen. Der Aspektreichtum des Geheimnisses, das Undefinierbare («Ich bin, der ich bin»), das der Eigenname Jahwe evozierte, ging dabei weitgehend verloren.

Der ganze Text ist lesenswert!

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8 Gedanken zu “Warum es die Bibel verfälscht, JHWH stur mit „Herr“ zu übersetzen

  1. Ja, der ganze Text ist lesenswert.
    Wie wir sehen, erleben wir darin nicht zuletzt das Entstehen des verklärten und verkleisterten Patriarchats als religiösen Auftrag mit, das sich folgenschwer in das Leben der Menschen verfriemelte und wie gottgegeben sich verfestigte, als ob es genau selber bereits Gott sei …
    Nur, wie sollte man nun jhwh dann besser, z.B. heute und jetzt, über setzen in die Jetztzeit?
    Als FRAU? Als Frau Herrin?
    Allein der Gedanke an Patriarchat und dessen Vereinnahmungen müßte bereits die weitere Verwendung des Begriffes HERR hier abbrechen …

    Nun rede ich doch über , obwohl ich das vermeiden wollte.

  2. – JHWH war „DER“ Name ihres Gottes, den gläubige Israeliten aber nicht aussprechen durften. Es wäre Gotteslästerung gewesen. Um die Vorleser der Schrift darauf hinzuweisen, hat man unter die Buchstaben JHWH ersatzweise „Edonai“ (Herr) gesetzt, im Verlauf der Zeit dann nur noch die Vokale von Edonai = E,O,A und nichtjüdische, d.h. nicht informierte Leser verbanden diese dann mit den Konsonanten JHWH und so wurde daraus JEHOVA. Dumm gelaufen: ein Irrtum, daran kann man nichts machen. Auch die Zeugen JEHOVAs nicht.
    Die Übersetzung des Namens JHWH ist umstritten. Viele Altphilologen gehen davon aus, dass „Er ruft ins Sein“ der Bedeutung am nächsten kommt.
    – 2250 mal taucht im AT der Ersatzname ELOHIM (etwa Allmächtiger) auf und noch eine Ableitung davon: El Elijon
    – Am wenigsten (etwa 300mal) gebraucht ist SCHADDAI, bedeutet möglicherweise „auf dem Berg lebend“ und Herr ZEBAOTH, korrekt eigentlich Herr der Zebaoth. Denn Zebaoth bedeutet auf hebräisch „Herrscharen“…

  3. @Wanda 30. Oktober 2014 um 21:26
    Sehr informativ, so weit bin ich nicht eingestiegen und danke denen, die das z.B. auch mir geduldig leidenschaftslos nahebringen, wie hier Wanda.
    Nur etwas fehlt auch hier:
    Was nun: Herr oder Frau Gott?
    oder nur DAS, das Göttliche?

  4. @Michaela Lusru:
    eindeutig wird im AT vom „HERRN“ oder einem „ER“ ausgegangen. Eigentlich nicht verwunderlich, handelt es sich doch bei den Israeliten um ein patriarchalisch organisiertes und dominiertes Volk…

  5. Kann mir jemand eine Bibelübersetzung nennen, welche JHWH konsequent mit Jahwe übersetzt ? Also nicht „Jehova“, denn das ist ja wohl falsch, sondern Jahwe ? Vielen Dank

    1. Was für eine Übersetzung sollte das sein?
      Jeder, der heute die Bibel übersetzt, weiß, dass aus Gottesfurcht der Gottesname im Hebräischen nicht ausgesprochen wird, und dass deshalb das Tetragramm JHWH mit Vokalen versehen wurde, die eben nicht zu diesen Konsonanten passten.

      Warum soll dann jemand eine Übersetzung vorschlagen, die diesem ausdrücklichen Wunsch, JHWH nicht auszusprechen, nicht entspricht?

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