Die Frauen und das Kreuz

Drüben in meinem anderen Blog kam von einer Leserin dieser Kommentar, der thematisch aber eher hierhin passt, weshalb ich ihn einfach mal umgezogen habe. Sie schreibt:

Liebe Antje, ich weiß, ich könnte Dir eine mail schicken, weil mein Kommentar hier ja nicht unbedingt Deinen vorhergehenden Text betrifft, aber letztendlich geht es doch eh immer um die gleichen Fragen, nicht wahr? Und so kann ich das doch auch hier tun, oder? Also, die Passion hat wieder einmal begonnen, diese Woche des Leidensweges, des Kreuztragens, des Todes und der Auferstehung. Und wieder gehen mir diese Bilder sehr nahe, daß da zum Beispiel einer Blut und Wasser schwitzt vor Angst am Ölberg, weil er seine Sterblichkeit erkennt, seine FreundInnen um Hilfe bittet und die aber einschlafen…usw., das sind gute Geschichten, finde ich, ganz egal wie religiös man das jetzt betrachtet. Und ich spüre meine christlich abendländische Prägung und will nicht mehr, wie in jungen Jahren dagegen ankämpfen. Ich suche seit vielen, vielen Jahren die Spuren der Göttin und überall wo ich bin, treffe ich auf den Leidensmann, ihren Sohn und Weltenretter, verflochten in unsägliches patriarchales Brimborium. Schwer, sehr schwer, da eine Spur der Frauen herauszulesen. Ich lese in den Apokryphen herum…oje, da wirds gänzlich kryptisch, und ich suche und suche wo mal eine verstehbar und ohne den üblichen “Sakrileg” – Magdalenakitsch über die Spur der Frauen, im Speziellen in der Passionsgeschichte, da drüber gearbeitet, geschrieben haben könnte? Denn, zweifellos waren sie doch da, haben SEINEN Leib gesalbt, haben gewacht, (drei Frauen am Grab), hast zufällig Du schon mal da drüber geschrieben, das wäre ja wunderbar! Ansonsten würde ich mich sehr freuen über Vorschläge, Quellenangaben und solltest Du aktuell irgendwo in einer Zeitung grad was gemacht haben, bitte informiere hier irgendwie drüber! Hoffentlich hab ich jetzt nicht den Kommentarbetrieb total überlastet. Viele liebe Grüsse von Herzen, Margarete

Die Karwoche ist natürlich eine sehr passende Zeit, um sich genau darüber Gedanken zu machen. Speziell über die Rolle von Frauen in der Passionsgeschichte habe ich noch nichts geschrieben, aber in einem weiteren Sinne zu dem Thema passen vielleicht folgende Texte. Fall Ihr weitere Ideen habt, bitte gerne in den Kommentaren damit weitermachen!

Über das Thema Kreuzigung im interkulturellen Dialog habe ich unter der Überschrift „Gott, die Kreuzigung und ich“ hier schon einmal etwas geschrieben.

Über Maria Magdalena hab ich mal einen Vortrag gehalten, das Manuskript steht hier, und ein weiterer Blogpost dazu hier.

Zum Thema „Das Kreuz mit dem Opfer“ gab es vor zwei Jahren eine Podiumsdiskussion in der Matthäuskirche, an der ich beteiligt war, eine gekürzte Mitschrift hier.

Ebenfalls interessant in diesem Zusammenhang ist die Studie „Saving Paradise“ von Rita Nakashima Brock und Rebecca Ann Parker, die ich kapitelweise zusammengefasst habe.

Davon ausgehend gab es dann voriges Jahr auch einen Beitrag von mir im FAZ-Blog 10 vor 8: „Seit tausend Jahren am Kreuz“.

Für die „efi“ schrieb ich mal was zu der Frage: War die Kreuzigung notwendig?

Etwas loser damit verknüpft vielleicht noch meine Rezension „Gott im Gendertrouble“

Soweit erstmal von meiner Seite, jetzt seid Ihr dran mit interessanten Links zum Thema!

 

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22 Gedanken zu “Die Frauen und das Kreuz

  1. Liebe Antja, ja, Du hast recht, hier ist der richtige Ort, vielen herzlichen Dank für´s Umeinanderschaufeln, lese alles mit großem Interesse und hoffe, es haben noch ganz viele was dazu zu sagen! Stürmische Grüsse von Margarete

  2. Hallo Graugans/Margarete!
    Ich habe drüben im anderen Blog Deinen Kommentar gelesen, aber ich weiss nicht, ob ich ihn wirklich verstehe.
    Geht es Dir um die Sichtbarkeit der Frauen in der Bibel und/oder darum, wie man heute die religiösen Geschichten erzählt und deutet, bezogen auf Frauen und ihr Wirken?
    Du schreibst von Deiner Suche nach der „Göttin“ und davon, dass Du dabei immer wieder dem „Leidensmann“ begegnest…ich glaube das verstehe ich nicht so richtig.
    Meinst Du, dass „Gott“ ein Geschlecht hat oder irgendwie personifizerbar ist?
    Oder dass Gott/Jesus und all die Geschichten darum herum zu einseitig aus der männlichen Perspektive dargestellt werden?

    Ich lese aus verschiedenen Gründen gerade zum ersten Mal in meinem Leben die Bibel (und habe darüber auch gebloggt, wenn Du Lust hast kannst Du ja mal reinschauen: http://ahoi-auskiel.blogspot.de/2015/03/sing-longeine-atheistin-in-der-kirche.html) und beschäftige mich mit der Entstehung des christlichen Glaubens.
    Weil auch ich (als Atheistin) natürlich meine christlichen Wurzeln spüre und genauer wissen möchte, woher sie kommen, auch, wenn ich dabei nicht nach etwas spezifischem suche.
    Aktuell bin ich mit meiner Lektüre bei den Richtern, also noch nicht so weit fortgeschritten.
    Frauen tauchten allerdings schon etliche auf, sie waren wahlweise Göttinnen, Huren, Mörderinnen, Richterinnen, Kriegerinnen, Priesterinnen (natürlich nicht für den „HERRN“ sondern für die „falschen“ Götter/Göttinnen), und natürlich Mütter, Töchter, Schwestern…

    Die Links von Antje finde ich spannend, da ist sicher etwas erhellendes dabei und ich werde mich mal nach und nach durch wurschteln!

  3. Die antirassistische und antisexistische Agenda in allen Ehren, aber ist „der Gott, der ein Mensch ist“ nicht zutiefst speziesistisch? So betrachtet erscheint mir der Hinduismus z.B. doch schon um einiges „weiter“ … Wie wär’s mal mit einem Artikel „die Bakterien und das Kreuz“, oder „Gott im Species-Trouble“?

    1. Ja, total speziezistisch, weil Gott ein Konzept ist, mit dem nur Menschen was anfangen können. Gott ist zwar auch für die Tiere da, aber nur Menschen beten und glauben und gehen in die Kirche usw. Haben also eine Gottesbeziehung, das liegt wahrscheinlich daran dass Menschen sich dieses Konzept „Gott“ ausgedacht haben. Wie eigentlich alles andere auch, die Liebe, die Gerechtigkeit, die Freiheit usw.

      1. Nur Menschen haben eine Gottesbeziehung? Hmmm. Klingt ähnlich antiquiert wie „Nur Männer haben eine Seele“. Was ist mit Tieren, Pflanzen, Elfen, Engeln, …. Mr. Spock is not amused über christliche Missionare.

  4. @Burhanuddin1:
    Kann „Gott“ oder irgendeine Religion überhaupt etwas anderes sein als speziesistisch?
    Religion, selbst wenn sie alles Leben (wie auch immer man das definieren mag) einschliessen will und sich bemüht, nicht oder weniger anthroprozentrisch zu sein, existiert doch trotzdem nur, weil Menschen diese Vorstellungen haben, ihre verschiedenen Religionen „gebaut“ haben und danach die Welt sortieren.
    Lebewesen, die aus religiösen Gründen geschützt, verehrt oder getötet werden, entscheiden sich ja nicht freiwillig, Teil der jeweiligen religiösen Weltsicht zu sein, es wird aus menschlicher Sichtweise und mit menschlicher Machtposition über sie entschieden.

      1. @Burhanuddin1 – ja, vielleicht ist das eine Besonderheit des Christentums, die menschliche Beschränktheit des Konzeptes „Gott“ zu thematisieren, manche sagen deshalb ja auch, es sei (so verstanden) eigentlich schon eine atheistische Weltanschauung. Wobei aber die meisten Christ_innen hier Angst vor der eigenen Courage haben und das Menschsein Gottes wieder relativieren auf die eine oder andere Weise. Mir würde ein universalistisches Gotteskonzept, dessen Eingebettetsein in die menschliche (also beschränkte) Erkenntnisfähigkeit nicht reflektiert und eingestanden ist, anmaßend erscheinen. Sicher ist „Gott“ mehr, als wir Menschen uns vorstellen können, aber darüber können wir halt nichts sagen, weil wir es uns nicht vorstellen können :))

  5. @Burhanuddin1:
    „Nur Menschen haben eine Gottesbeziehung? Hmmm. Klingt ähnlich antiquiert wie “Nur Männer haben eine Seele”. Was ist mit Tieren, Pflanzen, Elfen, Engeln, ….“

    Meinst Du, Tiere oder Pflanzen haben eine *Vorstellung* von so etwas wie „Gott“?
    Für meine (beschränkte) Weltsicht ist „Gott“ eben genau das, eine Vorstellung, keine übertragbare Realität, die automatisch für alles und alle Gültigkeit hat.
    Ich kann nur aus meiner menschlichen Perspektive denken.

  6. @Antje Schrupp Ich habe den Eindruck, du weichst dem Vorwurf des Speziezismus, der ähnlich negativ konnotiert ist wie Rassismus oder Chauvinismus, aus. Meine Frage ist nicht, ob „Gott“ ein ausschließlich menschliches Konstrukt ist. Die Frage ist, ob unter den unterschiedlichen menschlichen Konzepten über „Gott“ das trinitarische Christentum nicht als speziezistisch kritisiert werden könnte, also grundlegend art- oder speziesegoistisch.
    Und, ob es nicht andere (rein menschlich konstruierte) Alternativ-Konzepte gibt, die dies grundlegend nicht oder weniger sind.

    1. @Burhanuddin1:
      „Die Frage ist, ob unter den unterschiedlichen menschlichen Konzepten über “Gott” das trinitarische Christentum nicht als speziezistisch kritisiert werden könnte, also grundlegend art- oder speziesegoistisch.“
      Ich kann hier nur für mich (aus atheistischer Perspektive) sprechen, daher wird Antje vielleicht etwas anderes dazu meinen.
      Aber soweit ich es bei Antje verstanden habe, widerspricht sie dem speziesistischen Kontext des Christentums doch gar nicht und weicht dem auch gar nicht aus.
      Klar gibt es andere religiöse Konzepte gibt, die das anders handhaben und „Gott“ anders auffassen.
      Aber die Christen sind ja nun mal die Christen, *weil* sie eben an die Menschwerdung Gottes glauben. Klar kann man das in Frage stellen und kritisieren, das machen Leute ja schon seit der Entstehung des Christentums 😉

      1. Nun gut, dann sind religiöse Rassisten nun mal Rassisten, weil Sie Ihren Rassismus religiös begründen. Siehe ebenso patriarchaler Chauvinismus. Religiös motivierte Gewaltlegitmation. Lediglich humane Konstrukte wie die Liebe, die Gerechtigkeit, die Freiheit usw… Würdest du eine solche Rechtfertigung akzeptieren?
        Meine Meinung: Es ist möglicherweise inkonsistent, theologisch einen „aufgeklärt-post-modern-feministischen“ Kurs zu fahren und gleichzeitig an der „Menschwerdung Gottes“ als „guter Botschaft“ festzuhalten.

  7. @Burhanuddin1:
    Ich fürchte, ich verstehe nicht so genau, worauf Du hinaus willst…tut mir leid.

    In dem Kommentar von @Graugans und in @Antje´s verlinkten Texten (ich habe sie mittlerweile gelesen) geht es um das Leiden und den Kreuzestod von Jesus und der Frage danach, wie man heute mit dieser Leidensthematik umgeht. Wenn ich Antje richtig verstanden habe, betrachtet sie die Kreuzigung als brutale, in der damaligen Justiz üblichen Todesstrafe.
    Und sie beschreibt ihre Probleme mit der Verherrlichung von Leid und der sinnhaften Überhöhung von Leid durch erlebte Gewalt am Beispiel von Jesus und stellt die These auf, dass die Auferstehung Jesu gar nicht notwendigerweise an dessen Kreuzestod geknüpft war, sondern dass er – und dazu muss man natürlich an Jesus als Mensch gewordenen Gott glauben – eines Tages ohnehin auferstanden wäre. Er hätte möglicherweise steinalt werden können, oder er hätte an einer Krankheit sterben können, oder er wäre irgend einem anderen Attentat zum Opfer gefallen.
    Damit soll ausgedrückt werden – so kam es jedenfalls bei mir an – dass es NIE darum gehen kann, eine Gewalthandlung als Grund oder gar Bedingung für die Auferstehung vorauszusetzen.
    Jesus ist nach dieser Denkart nicht auferstanden, *weil* er zuvor am Kreuz gestorben ist und extrem gelitten hat. Er ist auferstanden, weil er durch den Tod gegangen ist, egal welche Ursache dieser Tod hatte.
    Wie gesagt – für mich als nicht gläubiger und nicht religiöser Mensch ist das nicht relevant, aber ich interessiere mich dafür, wie sich Religionen entwickelt haben, und wie sie sich laufend verändern. Die These, von der Antje schreibt, zeigt eine Veränderung der Einordnung und Deutung biblischer Ereignisse, sie war mir bisher neu und ich finde sie interessant, weil sie eben sehr deutlich einen Gegenpol zu Gewalt und Leid als Notwendigkeit für Erlösung oder einer Auferstehungsidee bildet.

    Wenn jemand „aufgeklärt-post-modern-feministisch“ unterwegs ist und gleichzeitig an der Menschwerdung Gottes als „guter Botschaft“ festhält, verstehe ich das zwar nicht, aber ich akzeptiere, dass es für viele, viele Menschen keinen Widerspruch darstellt. So ist das im Leben 😉
    Gewalt findet in unserer Welt unter so vielen verschiedenen Motivationen statt, und z.B. religiös motivierte Gewalt wird von religiösen und von nicht-religiösen Menschen gleichermaßen abgelehnt, es sei denn sie gehören eben zum Lager derjenigen, die meinen, nur mit Gewalt ihre Interessen durchsetzen zu können.

    1. Ich will auf Konsistenz hinaus. Wie kann man inklusiv-integrativ argumentieren (post-aufgeklärt-post-klassisch-postmodern-feministisch) auf einer exklusiv-ausgrenzenden (speziezistischen) Basis? Dass du das verstehst, freut mich.

      1. Sorry, ich bin immer noch nicht sicher, dass ich Dich wirklich verstehe / vice-versa…
        Es geht um Gott und Jesus und Leiden und das Kreuz. Das sind erstmal Menschengeschichten, die sich um etwas drehen, was Menschen erlebt haben.

        Zum Thema Speziesismus habe ich ja schon meine drei Gedanken abgestellt, und da Religion und Gottesglaube menschlich konstruiert sind, bleibt nach meinem Verständnis jede Art religiöser Argumentation, religiöse Inklusion oder auch Exklusion, grundsätzlich speziesistisch. Auch wenn Du Kühe, Gorillas, Schlangen, Ameisen oder Amöben mit in Deinen Glauben einbaust und sie als schützenswert oder gleichrangig einordnest.
        Denn: Davon weisst nur Du als Mensch etwas, die Kühe, Gorillas, Schlangen, Ameisen und die Amöben leben weiterhin ihr jeweils artspezifisches Dasein. Vielleicht haben sie Glück und stehen unter Schutz und können vielleicht sogar in Freiheit leben, vielleicht aber auch nicht. Beides aber unterliegt menschlicher Bewertung und Sortierung, das hat nichts mit echter Gleichberechtigung oder Inklusion zu tun, da wir als Menschen eben bestimmen, wer mitmachen darf und wer nicht. Wir schaffen`s ja noch nichtmal, innerhalb unserer Spezies wirklich gleichrangig und gleichberechtigt zu existieren.
        Selbst wenn Du universalistisch drauf bist und „alles was lebt“ in einen Glauben einbeziehen willst – kannst Du alles machen, nur kriegt „das Universum“ davon sehr wahrscheinlich recht wenig mit, es existiert allein in Deiner Vorstellung. Das ist natürlich auch wiederum nur meine eigene, zugegebenerweise recht nüchterne und rationale Vorstellung, die ich nicht auf andere übertragen kann.

  8. @Sternenguckerin Wir drehen uns im Kreis. Vielleicht – höchstwahrscheinlich – ist dir nicht bewusst, dass „Speziezismus“ keine neutrale Bezeichnung ist. Sie wird von „Anti-Speziezisten“ ähnlich negativ beurteilt wie Sexismus oder Rassismus, und zu diesem Urteil kommen nicht nur Theisten. Ich stimme dir insofern zu, dass (d)ein atheistisch-materialistisches Universum auch nichts davon mitbekommt, wenn jemand ein rassistisches Arschloch (tschuldigung) ist.

    Ich stimme nicht mit dir überein, dass jede religiöse Tradition grundsätzlich „speziezistisch“ ist, siehe Pantheismus.

    1. @Burhanuddin1
      Natürlich ist mir bewusst, dass Speziesismus/Antispeziesismus verschieden bewertet wird, er wird ja höchst polemisch eingesetzt, wenn es um Tierethik, Tierrechte und vor allen Dingen um die Frage nach der Unterscheidbarkeit von Tier/Mensch geht.
      Vermutlich liegt die Irritation darin, dass ich Speziesismus tatsächlich auf so einer Art Meta-Ebene sehe.
      Dass verschiedene Religionen und Weltanschauungen auf der konkreten Handlungsebene natürlich sehr verschieden mit Tier/Mensch umgehen ist mir klar.
      Rassismus, Ausgrenzung oder das Streben nach Freiheit und Gleichberechtigung passiert sowohl innerhalb als auch ausserhalb von Religionsgemeinschaften – aber es passiert innerhalb der Spezies Mensch – auch wenn wir Tiere oder „alles Leben“ mit einschliessen wollen.
      Das entscheiden aber nicht die Tiere von alleine oder gar gemeinsam mit uns, sondern wir Menschen entscheiden darüber, und wir legen auch die Kriterien fest, nach denen das alles passiert, aus unseren verschiedenen (menschlichen) Ideen, Prägungen und Vorstellungen heraus.
      Da wir nicht mit unseren Mit-Lebewesen diskutieren und verhandeln können, bleibt uns nichts anderes übrig, als zu entscheiden, wie wir mit ihnen umgehen – jedenfalls dort, wo sie mit unserem menschlichen Leben zu tun haben und wir mit und von ihnen leben.
      Der Tierrechtler (vielleicht ein Antispeziesist), der dem Gorilla menschliche Rechte zusprechen will, tut das allein aus seiner menschlichen Perspektive heraus. Der Gorilla weiss davon nichts und unterliegt der Entscheidung der Menschen.
      Eine der antipeziesistischen Ideen, dass es keine Unterschiede zwischen (manchen) menschlichen und nichtmenschlichen Spezies gibt, bzw. dass man diese aufheben kann, ist daher eigentlich sehr speziesistisch (das heisst: Der Unterschied zeigt sich exakt hier), da diese Idee nur von Menschen formuliert werden kann, und wir gar nicht erfahren können, was in der Vorstellung anderer Lebewesen passiert.

      Wenn ich sage, dass nach meiner Vorstellung jede religiöse (nimm respektive philosophische oder ethische) Tradition speziesistisch ist, dann meine ich damit, dass all das nur in der menschlichen Vorstellungswelt entstanden ist. Dass die einzelnen Religionen oder Weltanschauungen natürlich stark verschieden sind, was Anthropozentrismus oder eine universellere Ausrichtung angeht, ist mir klar. Aber selbst der Pantheismus existiert nur in menschlichen Ideenwelten.

      Wir können`s dann damit aber auch belassen, ich denke, das dreht sich sonst wirklich weiter im Kreis.
      Es geht ja auch total weg von @Antje`s eigentlichem Artikel und der Frage der @Graugans.

  9. @Antje:
    Nun hab ich mal eine Frage zum Kreuz und zur Auferstehung.
    Ich komme gerade vom Taizė-Singen aus der Kirche (ja, sowas machen auch Atheisten manchmal :-)), und dort wurde aus dem Johannesevagelium (Joh. 21) gelesen. Jesus spricht mit Simon-Petrus nach dem Frühstück über Liebe und Schafe (sehr abgekürzt) und dann kommt das hier, Ich zitiere:
    „Ich sage Dir: Als Du jung warst, hast Du Dir selbst den Gürtel festgebunden und bist gegangen, wohin Du wolltest. Wenn Du aber alt bist, wirst Du Deine Arme ausstrecken und jemand anderes wird Dich festbinden und Dich bringen, wohin Du nicht willst. Dies sagte er (Jesus) um anzudeuten, durch welche Todesart er Gottes Glanz zeigen würde.“
    Zitat Ende.
    Ich frage mich:
    Legten die Autoren/Redakteure des Johannesevamgeliums Jesus diese prophetische Äusserung in den Mund, bzw. interpretieren sie als Prophetie der Ankündigung des Kreuzestodes, weil sie schon die Kreuzigung als Voraussetzung für seine Auferstehung aufgefasst haben, oder findet man diese Interpretation auch bei den anderen Evangelisten?

    1. @Sternenguckerin – mit dieser Stelle habe ich mich noch nicht genauer beschäftigt, aber es ist imho offensichtlich eine Interpretation der Hinrichtung das Petrus. Also der Autor weiß bereits, dass Petrus hingerichtet würde, und legt Jesus diese prophezeite in den Mund, damit das Ganze als Teil eines Planes bzw. als Notwendigkeit erscheint (und nicht als Niederlage über christlichen Mission). Außerdem ist es eine Rechtfertigung für den Autor der JohEv, der ja von sich selbst sagt, er sei der Jünger Johannes, also Augenzeuge, und hier rechtfertigt er sich dafür, nicht, wie Petrus, bis hin zum eigenen Tod für die Sache Jesu eingetreten zu sein. Beantwortet das deine Frage?

  10. Die Natur (bzw. das Leben) ist Gott. Und es gibt Dinge in der Natur, die dem Menschen ewig verborgen sind. Gott ist nicht auf die Weise allmächtig, dass er z. B. einen unbelehrbaren Raucher, der Lungenkrebs bekommt, heilen kann. Der Mensch (und die Welt) wurde nicht “erschaffen”, sondern existiert von Natur aus (und seit ewig). Der “Sündenfall” hat sich nicht genau so ereignet, wie es in der Bibel geschildert wird. Es wurden vielmehr zu verschiedenen Zeiten viele verschiedene Fehler von Menschen gemacht, die noch heute eine negative Auswirkung haben. Christus ist ein sehr hochentwickelter Mystiker, aber nicht der “Sohn Gottes”. Christliche Mystik, (weiße) heidnische Mystik und (weiße) Esoterik sind gleichwertig.
    Es genügt, nur ab und zu Mitglied in der Kirche zu sein. Es besteht die Möglichkeit, eine Ausbildung zum Mystiker (oder zur Mystikerin; auch im folgenden sind immer auch Frauen gemeint) oder Esoteriker zu machen. Z. B. durch ein Selbststudium oder ein Studium in Psychologie mit Schwerpunkt Jungsche Psychologie. Das Beten zu einem “Vater im Himmel” ist sinnlos. Jedes Mal wenn ein Mensch u. a. eine wesentliche Steigerung seiner Willenskraft und Liebe erreicht, kann er (evtl. in Verbindung mit einer esoterischen Technik) eine – zusätzliche – göttliche Erfahrung machen. Und immer größere göttliche Erfahrungen. Ein Beispiel einer göttlichen Erfahrung, bei der keine Eso-Technik eingesetzt wird, ist eine mystische Nahtoderfahrung (Selbstmord ist abzulehnen). Die eigene Anstrengung (obwohl notwendig) und die Eso-Technik sind nicht das Wesentliche, sondern das Wirken von verborgenen Kräften in der Natur. Es ist erforderlich, gesundheitsbewusst zu leben und sich unegoistisch zu verhalten. Und man sollte versuchen, sich in jeder Hinsicht maximal weiterzuentwickeln.
    Es ist vorgekommen, dass Esoteriker durch Drogen veränderte Bewusstseinszustände herbeigeführt haben. Dies ist abzulehnen. Ebenso ist Hypnose (auch Selbsthypnose) abzulehnen. Zudem kann das Herbeiführen eines luziden Traumes gefährlich sein. Bei der seriösen Esoterik erlangt man zunächst eine größere Reife. Dadurch, dass man viel Sport macht. Dadurch, dass man berufliche Herausforderungen so gut wie möglich meistert. Dadurch, dass man immer mehr für den Naturschutz tut. Usw. Und dann muss man eine ungefährliche esoterische Technik einsetzen. Z. B. fragt man sich: “Für was ist ein Ereignis, das mir zugestoßen ist, ein Symbol?” Man soll bei dieser Ereignisdeutung nicht versuchen, in die Zukunft sehen. Es hat nicht unbedingt jedes Ereignis eine relevante Bedeutung. Diese Eso-Technik kann noch weiterentwickelt werden.
    Es ist gut, dass es einen technischen Fortschritt gibt. Aber es ist Wahnsinn, wenn z. B. ein neuer Geschwindigkeitsrekord eines Flugzeugs als Erfolg gefeiert wird. In Wahrheit werden dadurch die Gefahren immer größer. Die Technologie darf nur dann weiterentwickelt werden, wenn dadurch die Gefahren nicht größer werden. Es ist sinnvoll, Faktor-X-Technologien zu fördern. Zudem sollte es nicht mehr medizinische Operationen geben, als nötig. Z. B. können Krampfadern mit der Linsermethode ohne Operation zerstört werden. Heilen durch Liebe, Naturforschung und Eso-Mystik sollen die herkömmliche Medizin und Wissenschaft ergänzen (nicht ersetzen). Es ist sinnvoll, sich ökologisch zu verhalten (z. B. immer weniger Fleisch zu essen). Im Übrigen wirkt ein großer Teil der heutigen Musik (z. B. die Rock- und Heavy-Metal-Musik; auch ein Teil der Musik von Zaz und Raphael Haroche) wie eine Droge. Empfehlenswert sind “Eblouie par la nuit” (insbesondere die Version ohne Gesang) und “Schengen” (live in Valras Plage; bis Minute 2:45).
    Die Wissenschaft darf nicht alles erforschen. Es ist z. B. unter Umständen gefährlich, wenn ein Mensch erforscht, ob er einen freien Willen hat. Es ist denkbar, dass ein Mensch gerade durch die Erforschung des freien bzw. unfreien Willens seinen freien Willen verliert. Und es ist denkbar, dass das menschliche Gehirn durch die Hirnforschung (negativ) verändert wird. Das heißt nicht, dass es gar keine Hirnforschung geben soll. Aber es soll nicht mehr Hirnforschung geben, als unbedingt nötig ist (um diverse Krankheiten zu bekämpfen). Es soll überhaupt keine Wissenschaft aus Neugierde geben. Zudem ist es möglich, dass ein Mensch verrückt wird, wenn er sich mit bestimmten Ideen beschäftigt, wie z. B. dass das Leben nur ein Traum ist. Das Leben ist real. Und Liebe ist mehr, als Chemie, Hormone usw. Der Mensch darf nicht unbedingt in natürliche Prozesse steuernd eingreifen. Und der Mensch darf natürliche Prozesse nicht unbedingt beobachten. Wenn mystische Erfahrungen einmal nicht mehr möglich sind, werden die Menschen die Mystik kaputtgemacht haben.

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