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Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen?

„Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen“ – dieser Satz von Paulus wird häufig zitiert, und zwar in der Regel falsch. Die einen führen es als Beleg dafür an, dass auch Paulus gegen ein Bedingungsloses Grundeinkommen wäre, weil nur die, die arbeiten, auch essen sollen (was offenbar als Metapher für „Geld bekommen“ gelesen wird). Die anderen nehmen es als Beleg dafür, dass schon Paulus für so etwas wie eine protestantische Arbeitsethik gewesen wäre.
Auch in dem aktuellen Heft von „Brandeins“ zum Thema Faulheit wird dieses Zitat in diesem Sinne genannt. Ich schrieb deshalb einen Kommentar an die Redaktion, den ich hier auch nochmal poste:
Das interessante Heft über Faulheit habe ich gerne gelesen. Zwei Mal führen Sie darin jedoch (in unterschiedlichen Artikeln) das Paulus-Zitat „Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen“ als Beleg dafür an, dass das Christentum (damals schon) gegen Faulheit gewesen wäre. Sicher ist das später in der Kirche oft so ausgelegt worden. Paulus hat aber etwas anderes gemeint. Er richtet den Satz nicht an die „Faulen“, sondern an die Reichen, die gewohnt waren, andere für sich arbeiten zu lassen. Aber in der christlichen Gemeinschaft sollten genau diese Hierarchien nicht mehr gelten, und zwar ganz konkret bei gemeinsamem Essen: Da sollten nicht die einen arbeiten und die anderen sich an den gedeckten Tisch setzen, sondern, „Da ist nicht Arm und Reich“ und eben auch: „Wer nicht arbeitet, soll auch nicht (mit)essen)“. Es ist ein Appell für soziale Gleichheit, und kein Appell gegen Faulheit.
Wisster Bescheid.
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