Was macht die islamischen patriarchalen Autoritäten so mächtig?

Aus Anlass der ablehnenden Reaktionen sämtlicher muslimischen Männer-Autoritäten auf die Gründung der liberalen Moschee in Berlin habe ich mal eine ernsthafte Frage, weil mir der Unterschied wirklich nicht klar ist.

Als vor einigen Jahren die Frauenordinationsbewegung in der katholischen Kirche, bei der Frauen heimlich, aber formal korrekt von einem dissidenten katholischen Bischof zu Priesterinnen geweiht wurden, vor sich ging, gab es natürlich ebenfalls umgehend aus dem Vatikan die Meldung, dass das illegal und mit dem Katholizismus nicht zu vereinbaren ist. Aber das hatte überhaupt keine weitergehende Bedeutung, beides nicht. Es wurde von der Öffentlichkeit als völlig irrelevanter Streit wahrgenommen.

Was macht diese islamischen Ober-Männer so mächtig? Mächtiger als der Vatikan? Sind muslimische Menschen denn der Al-Azhar gegenüber gehorsamer als katholische Menschen gegenüber dem Papst? Oder liegt es dran, dass sich im Christentum die Alternativen zu den patriarchalen Kirchen (katholische und orthodoxe) bereits institutionalisiert haben in Form von protestantischen Kirchen? (wobei die oft auch patriarchal sind, aber nicht immer so plump) – Warum wird islamische Religiosität als wichtig empfunden, christliche Religiosität, auch wenn sie patriarchal ist, aber nicht?

Verbindung zum Terror kann es eigentlich nicht sein, weil ja alle Analysten sich darin einig sind, dass die Terroristen gerade NICHT religiöse Menschen sind, sondern in der Regel keine besonders fromme Erziehung bekommen haben und sich meistens nur grade mal ein paar Versatzstücke Islam draufgeschafft haben. Also, wie seht Ihr das?

(Abgesehen davon ist es natürlich in der Tat bescheuert, wie das islamische Establishment hier reagiert, aber ehrlich, wann hätte ein religiöses Männer-Establishment denn jemals auf eine von Frauen angestoßene Verändertung NICHT bescheuert reagiert?)

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4 Gedanken zu “Was macht die islamischen patriarchalen Autoritäten so mächtig?

  1. Vielen Dank für diesen Post. Der Titel ist allerdings irreführend. Von der veröffentlichten medialen Aufregung auf die „Macht der islamischen patriarchalischen Autoritäten“ zu schließen ist non sequitur.

    Weshalb der Unterschied in der Beurteilung: Islamophobie.

  2. Ich verstehe nicht ganz die Frage bzw. Schlussfolgerung. Ja, viele Muslime halten wenig von der liberalen Moschee. Aber wie kommen Sie darauf, dass das etwas mit der al-Azhar-Universität zu tun hat? Was ein durchschnittlicher Muslim denkt, wird ihm doch nicht von irgendeiner Autorität auferlegt, die er blind befolgt. Die meisten Muslime in Deutschland denken und handeln heute viel eher nach eigenem Verständnis und ihrer Neigung – und befragen nur in bestimmten, zweifelhaften Angelegenheiten Autoritäten wie zum Beispiel Imame.

    Mir hat zum Beispiel keiner der „Ober-Männer des Islam“ gesagt, was ich von der liberalen Moschee zu halten habe. Aber ich musste ein bisschen kichern, als ich in der Süddeutschen, glaube ich, gelesen hatte, dass bei der Eröffnung erstmal jemand fragte, ob jemand eine App hätte, mit der man die Gebetsrichtung ermitteln könnte. Mein Gedanke dazu: Hauptsache, die Einladungen an Journalisten sind raus – die Gebetsrichtung in einem Gebetshaus ist ja nun wirklich nicht das wichtigste. Ernsthaft?

    Für mich persönlich hat diese Moschee keine Relevanz, mehr noch: ich ärgere mich über sie. Man schreibt sich dort – neben Frauen als Vorbeterinnen – Dinge auf die Fahnen, die in anderen Moscheen, in denen ich aktiv bin, ganz selbstverständlich sind. Durch die Art und Weise wie Ates und Co. ihre Forderungen verlautbaren lassen, suggerieren sie, dass es sich um einzigartige, besonders fortschrittliche Forderungen handelt. Das halte ich schlicht für irreführend.

    Wenn es Muslime gibt, die sich in den existierenden Moscheegemeinden nicht wohl fühlen, sollen sie von mir aus gern ihre eigene Gemeinschaft gründen. Jetzt wird sich die Moscheegemeinde um Ates aber beweisen müssen – auch In Zeiten, wenn die Presse sich nicht mehr für sie interessiert, bei ganz alltäglichen „Moschee-Angelegenheiten“. Ehrenamtliche Arbeit in Moscheen wird selten belohnt, man braucht einen langen Atem und viel Geduld. Ich bin gespannt, wie sich das entwickeln wird!

    1. @salsabilalmaniya – Den Ärger kann ich gut verstehen, allerdings hat es Ates auf jeden Fall erreicht, dass in einer breiteren muslimischen Öffentlichkeit über das Thema der weiblichen Imaminnen und der Vorbeterinnen vor gemischten Gemeinden gesprochen wird. Ich weiß, dass es schon viele andere Gemeinschaften gibt, in denen das praktiziert wird, aber es hat imho auch etwas, dass Ates daraus eine öffentliche Diskussion macht. Aus meiner Erfahrung in der christlichen Feministischen Theologie kann ich jedenfalls sagen, dass es nicht genügt, sich nur kleine freiheitliche Nischen zu schaffen, die ignoriert bis toleriert werden, aber das große Ganze nicht verändern bzw. Sogar stabilisieren, weil sie für die Unzufriedenen einen Rückzugsort bieten. Mir ist es zu wenig, und ich glaube auch, wir werden unser Verantwortung vor Gott damit nicht gerecht.

    2. Sehr gute Antwort.

      „Was ein durchschnittlicher Muslim denkt, wird ihm doch nicht von irgendeiner Autorität auferlegt,…“

      „Der Muslim“ scheint teilweise in der veröffentlichten Meinung eine Art religiöser Roboter (steinzeitlich! braucht „Aufklärung“!) zu sein, der wie ein Pawlowscher Hund durch das Lesen des „geheimnisvollen“ Koran ferngesteuert wird.

      Leider ist dieser Schwachsinn so tief in die kulturelle DNA der „aufgeklärten“ Westerin eingebettet, dass ein Dialog auf Augenhöhe kaum möglich ist.

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