Archiv für den Monat März 2016

Gott ist tot

Über den Karfreitag bloggte ich etwas drüben bei zeit-online, für alle, die es interessiert.

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Tod, Naturwissenschaft, und Glaube

51+2HuZd7kL._SX312_BO1,204,203,200_Nachdem ich das F-Klasse-Buch von Thea Dorn damals ein bisschen verrissen hatte, war ich neugierig, mit welchen Themen sie sich weiterhin beschäftigt. Zum Glück habe ich nicht nur einen politisch-feministischen Blog, sondern auch einen religiös-theologischen, denn darum geht es hier eher: Dorns aktueller Roman „Die Unglückseligen“ behandelt den Tod und die Frage, wie man ihn besiegen kann (Spoiler: nicht :))

Der Plot ist interessant: Die Biologin Johanna hat sich zur Aufgabe gemacht, durch ihre Forschung dazu beizutragen, die menschliche Lebensspanne zu verlängern. Eines Tages trifft sie einen etwas verwirrten Mann unbestimmten Alters, von dem sich bald herausstellt, dass er unsterblich ist und schon seit über 200 Jahren lebt.

Auf fast 560 Seiten entspannt sich dann die Geschichte der Beziehung zwischen den beiden, die jeweils aus ihrer subjektiven Perspektive erzählt wird, also abwechselnd im Sprachstil des 21. und des 18. Jahrhunderts – das ist der Autorin ziemlich gut gelungen. Zusätzlich gibt es noch einen dritten Erzähler, nämlich den Teufel, der bei diesen Sachen ja immer die Finger im Spiel hat. Während der Roman in der ersten Hälfte Johannas nüchtern-wissenschaftlich Blick einnimmt, wechselt er in der zweiten Hälfte (mit Johanna) ins Mythologisch-religiös-dämonenhafte über.

Den ersten Teil habe ich sehr gerne gelesen, den zweiten fand ich dann allerdings etwas langatmig und auch verworren, und das Ende nicht wirklich interessant. Ein bisschen finde ich auch das Scully-Mulder-Narrativ „Wissenschaftlich-rationalistische, etwas oberflächlich-pragmatische Frau trifft geheimnisumwitterten, tiefgründigen Mann mit Ader für das Übersinnliche“ inzwischen etwas ausgelatscht.

Aber der Roman ist dennoch lesenswert, weil sich darin auch eine aufkeimende Sehnsucht findet, dem „nicht rational Erklärbaren“ wieder etwas mehr Aufmerksamkeit zu widmen. Allerdings versandet das dann oft halt ein wenig im Seichten, aber gut: Manchmal will man ja auch einfach einen Schmöker schmökern.

Thea Dorn, Die Unglückseligen, Knaus Verlag 2016, 560 Seiten, 24,99 Euro.