Archiv für den Monat Juni 2014

Gott-Artikel anderswo

Das Lustige: Seit ich diesen Gottblog schreibe, werde ich gerne auch mal anderswo angefragt.
In den letzten Tagen sind zu dem Thema online gestellt worden:

Meine Titelgeschichte „Ist Gott eine Frau? Der Herr im Himmel braucht dringend ein neues Image“ im Freitag steht inzwischen unter der Überschrift „Mutter Unser“im Netz. Darin geht es vor allem um das Gottesbild. Meine These ist, dass das patriarchale Bild vom „alten Mann mit weißem Bart“ sich nicht einfach so abschaffen lässt mit der Beteuerung, Gott habe ja gar kein Geschlecht, sei weder Mann noch Frau, sondern neutral. Das Neutrale ist immer letzten Endes doch männlich, und daher sind – jedenfalls als Zwischenschritt – aus meiner Sicht weibliche Bilder von Gott nötig.

Für den BR-Blog „Woran glauben“ habe ich dann noch ein Stück über das problematische Verhältnis der monotheistischen Religionen zu Frauen geschrieben.

Viel Spaß beim Lesen!

Frage zum Muslimin-Sein

Eine Sache, die ich am Islam faszinierend finde, ist die Einfachheit, Muslim zu werden. Wenn ich es richtig verstanden habe, ist ja jede Muslimin, die glaubt, dass es keine anderen Gottheiten außer Gott gibt und dass Mohammed sein Prophet ist. Es ist zwar wohl üblich, aber formal keineswegs notwendig, dies öffentlich zu bekunden.

Faszinierend finde ich das, weil das Christin werden eher umständlich ist. Man muss einiges an Bedingungen erfüllen, um als Erwachsene getauft zu werden, auch wenn es heute längst nicht mehr so kompliziert ist, wie in den ersten Jahrhunderten, wo man sich einem Jahre dauernden Vorbereitungs- und Prüfungsparcours unterziehen musste, bevor man in die christliche Gemeinde aufgenommen wurde. Insofern erstaunt mich dieses sehr breit gefasste Verständnis von Zugehörigkeit im Islam.

Und zwar umso mehr, als ich das selber nämlich auch bezeugen könnte: Ich glaube, dass es keine anderen Gottheiten außer Gott gibt, und dass Mohammed Gottes Prophet ist. Aber bin ich deshalb wirklich schon Muslimin?

Ich glaube ja zum Beispiel nicht, dass Mohammed der letzte/wichtigste/maßgebliche Prophet Gottes ist, sondern für mich ist er nur einer unter vielen.

Ich glaube auch nicht, dass der Koran das unverfälschte Wort Gottes ist, sondern dass er (wie alle heiligen Schriften) eine unentwirrbare Mischung aus göttlicher Inspiration und menschlicher Interpretation ist.

Ich glaube außerdem, dass Gott in Jesus Christus Mensch geworden ist.

Und ich glaube, dass Jesus Christus einen Weg zur Erlösung der Menschheit aufgezeigt hat (allerdings glaube ich nicht, dass der christliche der einzige mögliche Weg zur Erlösung ist).

Intuitiv würde man sagen, dass diese vier Punkte es eigentlich unmöglich machen, dass ich Muslima bin. Aber mit dem ernsthaften und ehrlichen Bekenntnis zu „Es gibt keine andere Gottheiten außer Gott und Mohammed ist Gottes Prophet“ hätte ich kein Problem. Das glaube ich tatsächlich.

Mich würden hier natürlich vor allem Einschätzung von Musliminnen und Muslimen interessieren. Wie seht Ihr das? Ist es möglich, Christin und Muslimin gleichzeitig zu sein? Wie könnte man in dem einen oder anderen Fall argumentieren? Gibt es dazu schon Debatten und Texte? Dann würden mich auch Links interessieren.

Many Thanks!