Beyond Monotheism: Die Autobiografie von Rosemary Radford Ruether

„Religion is a human construction. To say this is simply to say that all human culture is a human construction.“

Mit diesem Satz beginnt Rosemary Radford Ruether ihre Autobiografie, und er ist so simpel wie wahr. Auch wenn es immer noch Religionsverwalter gibt, die glauben, die absolute Wahrheit zu wissen, oder Witzbolde, die glauben, alle Kirchen würden in sich zusammenstürzen, wenn wir nur endlich einsähen, dass Religion bloß ein menschliches Konstrukt ist.

Foto: theprogressivecatholicvoice
Foto: theprogressivecatholicvoice

Für feministische Theologinnen (unter anderem) ist diese Erkenntnis hingegen nicht der Endpunkt ihrer Theologie, sondern selbstverständlich der Ausgangspunkt. Nämlich für die Frage: Und wie will ich nun an diesem menschlichen Konstrukt mitwirken? Wie will ich mich mit meiner persönlichen Subjektivität, mit meinen Erfahrungen und meinem Begehren dort einbringen?

Davon, wie Rosemary Radford Ruther das machte, handelt ihr Buch. Das war vor allem die Entscheidung, in ihrer eigenen religiösen Tradition (dem Katholizismus) zu bleiben, also ihre Tradition und Herkunft anzuerkennen, gleichzeitig aber souverän die volle Verantwortung für den eigenen Glauben und die eigene Theologie zu übernehmen. Was heißt: dem eigenen „besten Wissen und Gewissen“ mehr verpflichtet zu sein als den traditionellen religiösen Autoritäten.

Auf diese Weise wurde sie eine der wichtigsten Vordenkerinnen der feministischen Theologie. Ihr 1983 erschienenes Buch „Sexism and God-Talk“ (ins Deutsche übersetzt mit „Sexismus und die Rede von Gott“, was aber irgendwie dröge klingt, „God-Talk“ it is!) war eine der maßgeblichen Grundlagen für viele feministische Theologinnen, auch für mich.

Jetzt hat die 1936 geborene Theologin also ihre Autobiografie vorgelegt (die hoffentlich auch bald ins Deutsche übersetzt wird). Darin erzählt sie nicht einfach chronologisch ihr Leben, sondern hat das Buch – nach einem ersten Kapitel über ihre Kindheit, Jugend und Studium – in fünf inhaltliche Kapitel gegliedert. Sie erzählt also anhand von Themen, wie sich im Lauf ihres Lebens ihr Denken entwickelt hat und von welchen Lebensereignissen sie dabei geprägt war.

Die Kapitelthemen sind: der Katholizismus, das Verhältnis zwischen Judentum, Christentum und Islam, Interreligiosität und Atheismus (mit dem mir besonders gut gefallenden Untertitel „Beyond Monotheism“ :)), das „Mental Health System“ in den USA (Ruether hat einen psychisch kranken Sohn), sowie Ökofeminismus und Umweltschutz.

Das ist sehr lesenswert, weil es durch das vielfältige Engagement Ruethers in allen möglichen politischen, akademischen und sonstigen Initiativen und Organisationen auch einen Einblick in das religiöse Leben der USA gibt, das hierzulande ja oft vorschnell unter dem Label „alles fundamentalistische Eierköppe“ abgeheftet wird.

Ich habe bei der Lektüre so manches gelernt. Alles kann ich hier nicht aufschreiben, aber eines doch, nämlich eine Erkenntnis, die wichtig ist für den interreligiösen Dialog (und letztlich ist jeder politische Dialog auch ein interreligiöser, weil immer verschiedene Glaubenssysteme und Weltanschauungen involviert sind.) Und zwar die Notwendigkeit, so Ruether,

„… to see each religion as complete, functioning worldviews in themselves.“

Jede Religion als eine in sich vollständige und funktionierende Weltanschauung zu verstehen, so schreibt sie weiter,

„represented a very different understanding of truth from the idea that different religions can be reduced  to different ways of saying the same thing, or that one is right and the other wrong.“

Ich habe nie geglaubt, dass manche Religionen recht haben und andere falsch liegen. Aber dass verschiedene Religionen unterschiedliche Wege sind, dasselbe zu sagen, habe ich schon oft angenommen, es schien mir die einzige Alternative zu sein. Wenn auch mit Bauchschmerzen, weil mir die einschlägigen Projekte, hinter den verschiedenen Religionen ein gemeinsames „Weltethos“ auszumachen, mir schon lange suspekt sind.

Allerdings ist auch Simone Weil der Ansicht, dass die Aufgabe jeder Zeit darin bestehe, die „Wahrheit“ jeweils im eigenen Kontext und für die eigene Zeit neu zu sagen und auszusprechen. Sie wollte damit der Fortschrittshybris widersprechen, die die Menschheitsgeschichte als fortlaufendes Näherkommen an die „Wahrheit“ interpretiert, etwa durch wissenschaftlichen Fortschritt. Von einer „immerwährenden“ Wahrheit auszugehen, die nur jeweils neu kontextualisiert werden muss, schützt auch vor der typisch westlichen Arroganz, zu glauben, dass wir heute als Gesellschaft klüger wären als zum Beispiel die Menschen in der Antike oder im Mittelalter oder in anderen Regionen der Welt.

Ich teile Weils Kritik und habe es bisher auch eher so gesehen, dass jede Kultur (und jede Zeitepoche) das, was „wahr“ ist, nur jeweils neu und aktualisiert beschreibt, und dass es keinen „Fortschritt“ gibt im Verhältnis von Kulturen und ihrer Nähe zur Wahrheit – wohl aber Unterschiede zwischen verschiedenen Kulturen hinsichtlich ihrer „Wahrheitsnähe“, wenn man so will. Die aber, so würde ich sagen, hängen eben nicht vom „Fortschritt“ ab, denn es gibt auch Fortschritt (natur- wie geisteswissenschaftlicher), der Gesellschaften weiter weg von der „Wahrheit“ führt. Wahrheit natürlich, mit Weil, transzendent gemeint, also „unverfügbare Leerstelle“, Orientierung, Gott.

Ruether jetzt geht mit ihrem Vorschlag noch einen Schritt weiter, indem sie darauf hinweist, dass verschiedene Glaubenskulturen „complete, functioning worldviews in themselves“ sind, dass es also verschiedene „Wahrheiten“ gibt, nicht nur „einen“ Gott. Das „Wahre“ an einer anderen Position, einer anderen Religion, einer anderen Weltanschauung ist nicht nur nicht daran messbar, wie nah oder fern es meiner eigenen ist (der vulgäre, fundamentalistische Zugang), sondern auch nicht daran, wie nah oder fern es einer angenommenen universalen, für alle gültigen, präexistenten „Wahrheit“ kommt. Das entspricht auch meiner Erfahrung als „Differenzdenkerin“, so funktionieren intervitale Gespräche, das war mir nur bis jetzt nicht so klar.

Beyond Monotheism. Gott ist nicht EINS (und schon gar nicht EINER).

Das ist, wohlgemerkt, nicht gleichbedeutend mit einem relativistischen „Anything Goes“. Es gibt auch in diesem, quasi dezentralen Wahrheits- und Gottesverständnis noch Maßstäbe und Orientierung. Einer wäre zum Beispiel das „functioning“ – eine Weltsicht, die nicht „funktioniert“, etwa weil sie die Erde in Trümmer legt, ist relativ weit von „Wahrheit“ und „Gottesfürchtigkeit“ entfernt. Aber im Rahmen dessen, was „funktioniert“ gibt es eben eine Bandbreite an Möglichkeiten, und mit diesen haben wir es im interreligiösen, interkulturellen, oder besser: intervitalen Gespräch immer zu tun.

Wem das zu theoretisch ist, findet in der Biografie von Ruether zahlreiche Beispiele dafür, wie das praktisch vonstatten gehen kann. Sie hat nämlich nach diesem Maßstab gelebt, Politik gemacht und Theologie entwickelt.

Rosemary Radford Ruether: My Quest for Hope and Meaning, Cascade Books 2013, gibt’s für 7,52 Euro als E-Book. 

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8 Gedanken zu “Beyond Monotheism: Die Autobiografie von Rosemary Radford Ruether

  1. Danke fuer diesen informativen Hinweis. Es gibt heute im religiösen „Alltag“ einige Katholikinnen, die ähnlich denken und handeln!

  2. Ja, in der Richtung weiter denken. Wahrheit nicht in sterile Denkschemata einsperren. Jeweils neu herausfinden, womit sich’s leben lässt.
    Ja und es gibt manche menschlichen Denkkonstruktionen derer sich der Mensch nicht schämen muss. (Wohl aber sich dafür schämen, wenn er damit sich oder anderen schadet). Ich sehe immer weniger ein, warum Religion und ihre diversen Vorstellungen nicht als menschliche Denkkonstruktion gelten sollen – hoffentlich sind sie wahrhaft menschlich.
    Eines meiner Lieblingszitate von Drewermann (jetzt aber leider nur auswendig, aber Quelle: Sein Buch „Der sechste Tag“) :
    Gott als Chiffre, in einer an und für sich nicht sehr menschengerechten Welt dennoch Menschlichkeit zu bewahren und zu bewähren.

  3. Danke für den Artikel, es sind manche Gedanken darin, die ich mir auch schon so oder ähnlich gemacht habe.
    Ich habe ein paar Fragen, weil ich manches nicht so richtig verstehe:

    @Antje schreibt:
    „…denn es gibt auch Fortschritt (natur- wie geisteswissenschaftlicher), der Gesellschaften weiter weg von der „Wahrheit“ führt. Wahrheit natürlich, mit Weil, transzendent gemeint, also „unverfügbare Leerstelle“, Orientierung, Gott.“

    Kannst Du das vielleicht an einem Beispiel konkretisieren? Darunter kann ich mir nicht wirklich was vorstellen.
    Was meinst Du (oder Simone Weil) mit „Fortschritt, der Gesellschaften weiter weg von der Wahrheit führt“?

    Du hast ja schon ausführlicher zur „Leerstelle des unverfügbaren“ geschrieben, ich weiss nicht, ob ich es schon richtig verstanden habe.
    Deine Passagen zu Simone Weil und das Thema der Wahrheit (wie Du sie beschreibst) in Kombination mit (Natur-)Wissenschaften finde ich wirklich interessant, da nach meinem Verständnis eben Wissenschaft genau nicht nach „Wahrheit“ sucht oder welche verkündet.
    Naturwissenschaften sind ja im Prinzip eine Art Zusammenfassung von Werkzeugen und Denkmodellen zur Erforschung der materiellen Welt.
    Naturwissenschaftliche Forschung kann und will einzig und allein die Funktionsweisen der Abläufe der Natur verstehen.
    Nicht mehr und nicht weniger.
    Dass sie, also die Phänomene der Natur, sich gerade *durch* das immer detailliertere Wissen immer noch komplexer und umfassender zeigen, finde ich eine wunderschöne Parallele zu der „Leerstelle“ – weil durch alles, was wir im Detail mehr erkennen, wieder neue Fragen auftauchen.
    So bleibt immer etwas „unverfügbares“ – ja, es scheint geradezu anzuwachsen, je mehr wir lernen.

    1. @Sternenguckerin – “…denn es gibt auch Fortschritt (natur- wie geisteswissenschaftlicher), der Gesellschaften weiter weg von der „Wahrheit“ führt.“ – hm, konkret ist es immer Mischmasch, aber vielleicht ist ein Beispiel die medizinische Forschung, die dazu führt, dass lebensverlängernde Maßnahmen am Lebensende eingesetzt werden ohne sich nach dem Sinn der Lebensverlängerung zu fragen. Generell hat die Medizinwissenschaft dazu geführt, dass viele ihren Körper als „Objekt“ ansehen, das sie „behandeln“ können, während früher die Menschen zwischen (lebendigem) „Leib“ und (totem) „Körper“ unterschieden haben, was imho näher an der Wahrheit ist. Generell könnte man auch fragen, ob die Erfindung von sowas wie Atomkraft die Menschen näher oder weiter weg von der Wahrheit gebracht hat. Generell ist eine wissenschaftliche Methode das „Sezieren“, das Auseinandernehmen und „Hinteinschauen“, weil man glaubt, man versteht das Ganze, indem man sich die Kombination der Einzelteile anschaut. Das stimmt auch nur bedingt.

    2. Ansonsten, wenn Wissenschaft nicht den Anspruch erhebt, zur Wahrheit zu führen, dann bin ich auch ganz und gar mit ihr einverstanden. Ich glaube auch, dass das ernstzunehmende Wissenschaftler_innen selber so sehen würden. In unserer Alltagskultur wird es aber oft gleichgesetzt.

  4. Danke für Deine Antworten!
    Ich glaube, ich verstehe ein bisschen, wie Du es meinst.
    Tatsächlich hast Du absolut damit recht, dass in der Alltagskultur vieles zusammen geworfen wird, was erstmal nicht zusammen gehört oder wo man viel, viel, viel genauer differenzieren müsste.

    Die ernstzunehmenden Wissenschaftler/innen, wie Du es nennst, die ich kenne, sprechen oft mit großer Ehrfurcht und Demut von ihrer Arbeit.
    Ihnen sind auch die ethischen Konflikte sehr bewusst, und man versucht heute viel stärker, voraus und weiter zu denken, was aber nicht immer möglich ist, insbesondere nicht in der Grundlagenforschung.
    Und sie nehmen auch das Problem der verzerrten Berichterstattung und der Wissenschaftskommunikation sehr ernst, wie man hier sehr schön sehen kann:
    http://blogs.helmholtz.de/augenspiegel/2014/03/studie-zeigt-unsicherheiten-anzusprechen-schadet-nicht-im-gegenteil/

    Du sprichst die medizinische Forschung an, die, wenn ich Dich richtig verstehe, den Menschen ein Gefühl der „Objektifizierung“ ihrer Körper gebracht haben soll.
    „…während früher die Menschen zwischen (lebendigem) “Leib” und (totem) “Körper” unterschieden haben, was imho näher an der Wahrheit ist. “
    Was aber ist denn „die Wahrheit“?
    Dem komme ich noch nicht so richtig näher.

    Der Begriff von Tod, totem Körper, hat sich historisch betrachtet immer wieder verändert und tut es bis heute (wie auch der Begriff von Seele oder deren „Sitz“ im Körper, sie ist mehrfach umgezogen und heute überlegt man, *was* sie eigentlich ist, ist also auf einer viel elementaren Frage-Ebene angekommen).
    Anfangs dachte man, der nicht mehr atmende Körper sei tot, dann dachte man, das nicht mehr schlagende Herz sei der Nullpunkt und heute ist es das Gehirn, welches den „Schlusspunkt“, rein körperlich gesehen, bestimmt.
    Aber genau dieses „Bestimmen“ ist ja so schwer, weil, genauso wie zum Begriff „Seele“ man heute eben den Begriff „Leben“ nicht mehr so einfach einfangen und eingrenzen kann.
    Die schwierige und immer wieder diskutierte Sache mit den Organspenden z.B. zeigt den Konflikt ja sehr deutlich.
    Der „tote“ Körper des einen Menschen kann in Teilen noch weiter leben, er kann Menschen ermöglichen, ihren Tod zu verhindern oder zu verzögern.
    Dass das verunsichert, dass das Ängste und Konflikte mit sich bringt, finde ich mehr als nachvollziehbar. Da geht Hoffnung mit Endgültigkeit Hand in Hand.
    Tod und Leben sind keine einfach fest zu tackernden Begriffe mehr, wie man es vielleicht mal gedacht hat oder es sich wünscht.

    Dein Beispiel von Lebens-verlängernden Maßnahmen mit der Frage nach ihrem Sinn ist ein gutes Beispiel dafür, was Wissenschaft kann und was sie nicht kann.
    Sie hat die Möglichkeiten entwickelt, ja.
    Ob man sie nutzt, wann und wie man sie nutzt, dass ist eine Frage, die einem eben nicht „die Wissenschaft“ beantworten kann.
    Erst recht nicht, welchen „Sinn“ sie machen.
    Das kann nur der einzelne Mensch (bzw. seine Angehörigen) entscheiden, und dazu müsste er/sie sich sehr eingehend mit seinen/ihren ureigenen Gedanken zum Thema Leben und Tod beschäftigen.
    Dass er/sie das i.d.R. nicht macht bis es irgendwann zu spät ist, ist kein Verschulden „der Wissenschaft“ an sich, sondern ein gesellschaftliches Problem.
    Und wenn es keine eigene Entscheidung dazu gab und auch die Angehörigen nicht einbezogen wurden, dann gibt es nur noch den Versuch (ich betone Versuch, da es auch ein fliessender Prozess ist) das ganze irgendwie juristisch zu regeln.
    Ich bin mit einem Palliativmediziner befreundet, der sehr aktiv ist im Bereich Aufklärung und Beratung von Patienten und Angehörigen. Das ist ein super sensibles Thema und dafür braucht es super sensible Mediziner/innen.
    Die fallen leider nicht von den Bäumen…

    Noch ein Beispiel aus der Frauenheilkunde und Geburtshilfe:
    Heute streiten wir über pränatale Diagnostik und darüber, was wir überhaupt als „gesund“ oder „krank“ bezeichnen, was wir als „lebenswert“ oder nicht betrachten.
    Das symbolisiert für mich z.B. ein wichtiges Bindeglied zwischen Philosophie (und auch Religionen) und Naturwissenschaften. Wenn hier mehr zusammen gearbeitet und gedacht würde, das fände ich spannend.

    Vor ein paar Jahrzehnten und erst recht nicht vor ein paar hunder Jahren wusste man nicht, dass man diese ethischen Probleme mal haben würde, vor denen wir heute stehen.
    Aber hätte man deshalb besser nicht mit dem Fragen und Forschen angefangen?
    Wo soll man „Stop“ rufen?
    Hätte man da nicht schon die frühen Mediziner/innen und Heiler/innen stoppen müssen, die auch schon in die Körper eingegriffen haben? Die Risiken für ihre Patienten und sich selbst in Kauf genommen haben?
    Früher sind viele Frauen einfach gestorben, weil man nicht wusste, was in ihren Körpern vorgeht und wie man darauf einwirken kann, um die Geburten sicherer zu machen.
    Dass die Forschung an diesem Thema uns heute weitestgehend sichere Geburten ermöglicht, wird unter der Debatte um die heute existierenden ethischen Konflikte oft vergessen, das nehmen wir dann gerne als selbstverständlich hin.

    Die vielfältigen ethischen Konflikte soll man nicht kleinreden, das will ich nochmal betonen.
    Dass heute monetäre Interessen leider viel, viel zu oft im Vordergrund stehen, und dass auch Wissenschaftler/innen korrupt sein können- darüber müssen wir sicher nicht diskutieren.

  5. @sternenguckerin
    Es ist beruhigend, wenn du sagst, dass sich Wissenschaftler auch ethisch orientieren. Ich finde es schlimm, dass Wissenschaftler forschen ohne vorher zu überlegen, welche Konsequenzen ihre Arbeit hat. Besonders in tendenziell nicht überschaubaren gefährlichen Gebieten wie z.B. Atomkraft, in Jülich gibt es Atomwissenschaftler , die lt. Fernsehbericht immer noch kein Interesse haben, den Schaden, den ihre Atomkraft anrichtet wieder zu begrenzen.
    @ Gott ist nicht eins.
    Das wissen wir natürlich nicht. Was ich aber an jüdischen Glaubensbekenntnis aus dem 5.Buch Mose 6,4 schätze, ist der Versuch die Liebe und die Gerechtigkeit in Gott zu verbinden. Gott als eine Wesenheit zu denken, die Gegensätze zusammenbringt und zusammenhält. Es kann ein schematisches Denken in Schwarz und weiß, in gut und böse verhindern und uns, einander, der Welt mehr gerecht werden.

  6. @Bari:

    „Ich finde es schlimm, dass Wissenschaftler forschen ohne vorher zu überlegen, welche Konsequenzen ihre Arbeit hat.“
    Ich weiss nicht, was mit dem Beispiel aus Jülich konkret gemeint ist.
    Ein Fernsehbericht ist ausserdem erstmal „nur“ ein Fernsehbericht, da würde mich dann schon noch etwas mehr Hintergrund interessieren, bevor ich das als Tatsache abhake.
    Es hat solche, also leichtfertige, korrupte und verantwortungslose Forscher/innen, gegeben, und es wird sicher immer noch solche geben, das stelle ich nicht in Frage.
    Auch nicht, dass man bestimmte Forschungsfelder sehr kritisch sehen kann oder sie auch ablehnt. Davon bin ich selbst auch nicht frei und habe Grenzen, was ich akzeptabel finde und was nicht.

    Wenn weitergehendes Interesse an der Art und Weise, wie heute Wissenschaft in Sachen Risiko-Abschätzung betrieben wird, besteht, empfehle ich diese Episode vom Resonator-Podcast:
    https://resonator-podcast.de/2014/res025-armin-grunwald-und-die-zukuenfte/
    Das Risikobewusstsein in den Naturwissenschaften ist ein Prozess, der noch lange nicht abgeschlossen ist, der aber heute schon viel weiter ist als früher.
    In der Kernforschung z.B. ist man heute durch die Vergangenheit hoch sensibilsiert und steht unter höchstem öffentlichen Druck. Da kann man gar nicht mehr „einfach so los forschen“.

    Wir Menschen sind grundsätzlich neugierig und risikobereit, die einen mehr, die anderen weniger.
    Paradoxerweise haben „wir“ schreckliche Angst vor den schwarzen Löchern am CERN, auch wenn „uns“ sehr ausführlich erklärt wird, dass diese Angst unbegründet ist.
    Aber „wir“ haben weniger Angst vor der täglichen Schachtel Zigaretten oder vor der Heimfahrt über die Autobahn, die beide ein weitaus höheres Risikopotential bergen 😉

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