Archiv für den Monat Januar 2014

Gedankensplitter zu Kirche und Social Media

socialmediagospelVergangene Woche war ich in Nürnberg bei einem Workshop der Evangelischen Stadtakademien in Bayern – mein Vortrag steht als Audio zum Nachhören hier. Während der Vorbereitung hatte ich das Buch „The Social Media Gospel“ von Meredith Gould gelesen, außerdem konnte ich dann in Nürnberg selbst einen interessanten Vortrag von Daniel Kraft, dem Kommunikationschef der Bundeszentrale für politische Bildung, mitbekommen. Bei all dem fielen mir einige Aspekte zum Thema auf, die ich hier kurz notiere, damit ich sie nicht vergesse.

Lokalisierbarkeit – wird in kirchlichen Social Media-Aktivitäten, so sie denn überhaupt vorhanden sind, noch sehr unterschätzt. Immerhin besteht kirchliches Leben zu einem Großteil aus Veranstaltungen, die an speziellen Orten stattfinden, in Kirchen, Akademien, Gemeindehäusern etc. Die meisten davon sind aber nicht bei Diensten wie Foursquare oder auch Facebook Places zu finden, weshalb man sich dort auch nicht einloggen kann. Würde dieser Aspekt verfolgt, könnte ohne großen Aufwand viel Aufmerksamkeit quasi automatisch generiert werden.

Blogger Relations – Wenn sich kirchliche Akteur_innen Gedanken darüber machen, wie sie bzw. ihre Institutionen „ins Netz gehen“ können, wird immer zuerst an die eigene Onlinepräsenz gedacht. Dass man auch Beziehungen zu Blogger_innen aufbauen könnte, ist fast gar nicht im Blick. Dabei wird ja schon viel über religiöse Themen ins Internet geschrieben. Aber während ich zum Beispiel als Bloggerin regelmäßig Anregungen, Vorschläge, Kooperationsangebote usw. aus allen möglichen Ecken bekomme, teilweise aus völlig absurden, scheinen sich Kirchenleute kaum dafür zu interessieren, was ich schreibe.

Introvertierte Menschen – Dass Kommunikation über das Internet es vor allem introvertierten Menschen (besser als „Real-Life“-Kontakte) ermöglicht, soziale Beziehungen zu knüpfen, wäre ein starkes Argument, um Kirchenleuten den Wert von sozialen Netzwerken nahezubringen und sollte häufiger angeführt werden. Das derzeitige Gemeindeleben, wo man viel Mut braucht und Hürden überwinden muss, um überhaupt mal mit jemandem „aus der Kirche“ Kontakt aufzunehmen, ist nämlich sehr ausschließend und bevorzugt einen gewissen Menschentypus, nämlich die Kontaktfreudigen, für die es kein Problem ist, mit fremden Menschen ins Gespräch zu kommen.

Community Building – Das Internet liefert gute Tools für das Aufbauen und Festigen dezentraler Gemeinschaften. Community Management ist inzwischen ein eigener Berufszweig. Wären das nicht ideale Tools für Community Building im Sinne von „Gemeindeaufbau“? Hat das schon mal jemand theologisch durchdacht?

Zeitzyklen – Meredith Gould schreibt, dass ihrer Erfahrung nach die Zeit im Internet ungefähr dreimal so schnell verläuft wie außerhalb. Gerade in Bezug auf das Entstehen von Beziehungen und Freundschaften und das Entstehen von Gemeinschaften. Das erscheint mir ziemlich gut geschätzt und trifft sich mit meinen eigenen Erfahrungen. Das bedeutet auch, dass man – selbst im schnellen Internet – nicht von heute auf morgen mit Erfolgen rechnen darf.

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